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Long road to ruin

Fragen, Fragen, Fragen und keine Antwort.
Ich bin eigentlich kein Mensch, der auf den Mund gefallen ist und kann den meisten Menschen geradehinaus die Meinung sagen. Und diese auch bestens vertreten. Ich bevorzuge es, Unstimmigkeiten sofort anzusprechen und anderen klar zu sagen, was ich von bestimmten Dingen halte. Im Guten wie im Schlechten. Ich finde, man sollte einfach ehrlich sein und niemanden anlügen, nur um besser dazustehen. Oder um zu verhindern, sich mit der Situation auseinander zu setzen. Ich möchte auch selber wissen, woran ich bei anderen bin. Und ich finde, das sollten andere auch von mir wissen.
Nur gibt es eine Person in meinem Leben, bei der schaff ich es einfach nicht. Ich kann dieser Person nicht sagen, was mir nicht passt. Was mich zum Teil massiv stört. Was mich unglücklich macht. Was mich Nachts nicht schlafen lässt und was ich nicht in Ordnung finde. Und ich weiß einfach nicht warum. Es lässt mich grübeln und macht mich fertig. Jedesmal nehme ich mir aufs Neue vor, endlich den Mud aufzumachen, endlich die Sachen anzusprechen, endlich auch mal meine Meinung kundzutun. Aber ich kneife. Ziehe feige den Schwanz ein. Mag nicht streiten, mag keine Disharmonie, mag nichts in Frage stellen. Denn ich wüsste genau, das mich meine Emotionen überkommen würde. Und ich will nicht, dass mich diese Person so sieht. Will nicht, dass ich so wirke als wäre ich mit der Gesamtsituation unzufriedenl. Und als wäre sie der Auslöser dafür. Aber ich weiß, ich müsste weinen, klänge verbittert und furchtbar unglücklich. Würde Sachen sagen, die ich vielleicht garnicht so meine. Würde die Person anklagen und ihr vielleicht ungerecht werden. Aber trotzdem muss es doch gesagt werden. Denn auch, wenn es um keine essentiellen Sachen geht, so geht es doch um Dinge, die mich auf Dauer belasten. Die ungerecht sind. Und die angesprochen werden müssen.
Warum nur kann ich das nicht, was ich sonst bei jedem kann? Warum fällt es mir so schwer?
Ich vermute, dass ich Angst habe. Angst vor Zurückweisung, Angst diese Person durch meine Kritik zu verlieren. Weil sie mir viel zu wichtig ist. Weil sie niemals streitet. Weil sie einfach alles für mich ist. Aber gerade deshalb muss ich es ansprechen. Denn sonst platzt es irgendwann aus mir raus, und alles wird viel schlimmer.
Nur wer redet, kann erhört werden. So ist es nunmal. Und daran muss auch ich mich halten. Denn nur so kann der Kreislauf beendet werden. Ich hoffe so sehr, dass ich es schaffe.
Habt ihr auch schonmal sowas erlebt?

I like watching all your fireworks

"When you came into my world causing quite a commotion
I could have sworn I've met you many times before
Cos there's something in your eyes that links us together
Something bout your face your lips your smile looks so alone
Have you ever been in love and thought it'd last forever
Well, then you know no one makes it on her own"

via , Zitat: Roxette- "No one makes it on her own"
Warum tun wir uns manchmal so schwer damit, unsere Gefühle auszusprechen? Warum fällt es uns nicht immer leicht, Freunden oder dem Partner zu sagen, was wir für sie empfinden?
Ich glaube es ist, weil wir uns damit selber verletzlich machen. Weil wir sie damit so nahe an uns ranlassen, dass sie in der Lage sind, uns unglaublich weh zu tun. Und weil wir Angst haben, dass diese Gefühle nicht erwidert werden. So ist es manchmal einfacher, nicht über so etwas zu sprechen und einfach nur die Nähe oder Zweisamkeit zu genießen. Mit dem Gefühl, dass der andere ähnlich empfindet, auch wenn es von beiden Seiten nie ausgesprochen wurde. Es ist einfacher zu sagen, "ich mag dich", "ich hab dich lieb" oder "du bist einfach toll" als jemandem zu sagen, dass er für einen der beste Freund ist oder dass man ihn liebt. Denn "ich hab dich lieb" lässt niemanden in Zugzwang geraten, etwas zu sagen, was man vielleicht nicht so empfindet. In einer Freundschaft oder Beziehung ist so etwas meistens die Grundlage. "Ich liebe dich" oder "du bist mein bester Freund" ist dagegen schon wesentlich spezieller, weil es um größere Gefühle geht, die wirklich immer nur eine Person betreffen. Und diese Gefühle nicht erwidert zu hören, kann ganz schön wehtun.
Aber manchmal lohnt es sich eben doch, sie auszusprechen. Weil es das Schönste ist zu hören, dass man für die andere Person genauso wichtig ist. :)

Like a midnight sun you're the only one

Es ist so verrückt. Man kann Menschen schon so lange Zeit kennen und sie doch nicht richtig kennen. Auf einmal kommt der Zeitpunkt, an dem man neue, ungeahnte Sachen über sie erfährt. Sich wundert, sich fragt, sie nicht versteht, sie besser versteht oder einfach nur überwältigt ist. Im Guten wie im Schlechten.
Jeder Mensch igelt sich ein, wenn es um sein Innerstes geht. Wenn es um Dinge geht, die nicht jeder erfahren soll. Dinge aus seinem früheren Leben, Dinge die nicht alltäglich sind, Dinge für die man von anderen ausgelacht werden könnte. Oder gemieden. Dinge, die einen definieren und einen ausmachen. Dinge, die zu einem dazugehören wie die Sonne zum Tag und der Mond zu der Nacht.
Menschen kann man nur vor den Kopf schauen. Von vielen wird man niemals die innersten und intimsten Gedanken und Gefühle erfahren, weil ein jeder Mensch diese so gut schützt wie er eben nur kann. Aber manchmal, in wenigen Situationen, kommt doch ein Stück mehr Innerstes zum Vorschein als man bisher kannte. Wenn es auch in vielen Fällen nur durch Zufall und völlig unbeabsichtigt geschah. Doch dieses kleine bisschen Innerstes lässt manche Menschen auf einmal in einem ganz anderen Licht darstehen. Und dann passieren diese Gedanken, dass man sich wundert, sich fragt oder überwältigt ist.
Trotzdem sollte man versuchen zu verstehen. Denn jeder hat eine Privatsphäre, zu der so gut wie niemand anders Zutritt hat. Jeder versucht sich heutzutage so gut wie möglich den bestehenden Moralvorstellungen, Normen, Lebensweisen oder Sitten der Allgemeinheit anzupassen. Alleine schon aus dem gesellschaftlichen Zwang heraus. Alles, was in diese Sichten und Lebensweisen nicht hineinpasst, wird verschwiegen, verdrängt, oder nicht voll ausgelebt. Gefühlen wird nicht nachgegangen, Charakterzüge werden unterdrückt. All das wandert ins Innere und kommt nur noch ganz ganz selten zum Vorschein.
Und deshalb sollte man froh sein, über jedes bisschen, dass zum Vorschein kommt. Eben um die Menschen besser zu verstehen oder auch um ihnen zu helfen. Um sich ihnen näher zu fühlen statt sie zu verurteilen. Um sie besser zu kennen, statt sich zu wundern.

Eure Suerta.